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Mentales Training im Sportschießen PDF Drucken E-Mail

In wohl kaum einer anderen Sportart spielt die mentale Verfassung eines Sportlers eine so wichtige Rolle wie im Sportschießen. Die kleinste Ablenkung oder ein einziger falscher Gedanke können zum Zeitpunkt des Schusses aus einer Zehn eine Neun machen. Doch gerade dieses Gebiet wird von vielen Sportschützen vernachlässigt - meist unwissentlich. Das mentale Training umfasst viele und meist komplizierte Aspekte. Die hier beschriebenen Methoden beschränken sich jedoch auf die Grundlagen.

Die für den Schießsport relevanten Bereiche des mentalen Trainings sind unter anderem die Folgenden:

  • Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl
  • Positives Denken, Optimismus
  • Selbstkontrolle, Selbstregulierung
  • Konzentrationsfähigkeit, Entspannung (autogenes Training)
  • Motivationsfähigkeit
  • Visualisierung

Eine gute Grundvoraussetzung, einen Wettkampf positiv anzugehen, bietet immer ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Dieses jedoch ist wohl auch der am schwersten zu trainierende Bereich, da sowohl Selbstvertrauen als auch Selbstwertgefühl von vielen Faktoren außerhalb des Sports beeinflusst werden (soziales Umfeld, Schule, Uni, Beruf, Freunde, Ehe, Kinder, finanzielle Sorgen etc.). In Bezug auf den Sport kommt hier allerdings der zweite Bereich hinzu: das positive Denken. Optimismus stärkt automatisch das Selbstvertrauen und ist in Bezug auf einen Wettkampf relativ unbeeinflusst von weiteren äußeren Faktoren. Denn: "Ich kann schießen. Im Training treffe ich immer mindestens die Neun, also ist es auch auf jedem Wettkampf ein Leichtes, das Niveau zu halten". Allerdings sollte man sich keinesfalls überschätzen. Überheblichkeit und fehlender Respekt vor der Konkurrenz haben in vielen Fällen fatale Auswirkungen auf das Ergebnis, da so die Motivation, ein gutes Ergebnis zu erreichen, fehlt. Selbstregulierung ist hierfür das Stichwort.

Sowohl vor als auch während des Wettkampfes oder einer Trainingseinheit gilt es, sich zu sammeln und sich zu konzentrieren. Jeder Schütze weiß, dass Ablenkungen ein schlechteres Schussbild zur Folge haben. Doch manchmal wird man durch einen schlechten Schuss vollkommen aus der Verfassung geworfen. Man ärgert sich über sich selber, über die Waffe, über den Stand, die Munition, die Lautstärke und über einfach alles andere. Aber gerade dies hat direkte Auswirkungen auf den nächsten Schuss. Denn dieser wird meist genauso schelcht wie der vorherige. In solch einer Situation sollte man sich zunächst darauf besinnen, dass schlechte Schüsse die Ausnahme darstellen und mal passieren dürfen. Der Schuss ist "gelaufen" und man kann ihn nur noch durch bessere Schüsse ausgleichen. Es folgt nun also eine Reihe der schon oben beschriebenen Techniken von positivem Denken über Selbstregulierung, Motivation, Entspannung (autogenes Training) und letztendlich Visualisierung. Die Visualisierung - also das gedankliche Durchgehen des nächsten Schussablaufes - sollte übrigens nicht nur in Extremsituationen vorgenommen werden, sondern prinzipiell vor jedem Schuss (sofern dies die Disziplin zulässt bspw. bei Lupi oder LG).

 

Tipps fürs Training

Selbstvetrauen, Selbstwertgefühl: Es gibt viele Möglichkeiten, sein Selbstvertrauen zu stärken. Die wohl einfachste Methode besteht aber salopp gesagt darin, sich immer wieder einzureden, wie toll man ist. Hat man alles erledigt, was man sich für den Tag vorgenommen hat, ist man super. Hat man sein im Training gesetztes Ziel erreicht, ist man unschlagbar - ist das Ziel nicht erreicht, wird eben die zweite Chance das nächste Mal genutzt. Trotzdem hat man es drauf. Macht der Chef einen blöd an, hat er keine Ahnung, wovon er eigentlich redet. Generell führt positive Autosuggestion zu einer positiveren Selbstwahrnehmung. Auch wenn diese in manchen Fällen nur kurzfristig ist, sollte man sich vor Wettkämpfen immer wieder besondere (sportliche) Leistungen der Vergangenheit ins Gedächtnis rufen, um positiv und gestärkt in den Wettkampf zu gehen.

Positives Denken, Optimismus: Vor Wettkämpfen sollte es vermieden werden, seine eigenen Leistungen schlecht zu machen (siehe Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl). Ebenso sollte man das Umfeld, sprich den Stand, die Konkurrenz etc., positiv betrachten und sich auf das Bevorstehende freuen. Eine positive Grundeinstellung führt eigentlich in allen Lebenslagen zu besseren Ergebnissen und sollte deshalb auch in allen Lebenslagen trainiert werden.

Selbstkontrolle, Selbstregulierung: So positiv man auch denken kann sollte man immer wissen, wo seine Grenzen sind. Selbstüberschätzung tut in den wenigsten Fällen gut und schwächt in den meisten Fällen die Motivation. Dies hat zur Folge, dass die volle Leistung nicht erbracht wird - denn man ist ja sowieso besser als andere, auch wenn man sich nicht anstrengt. Respekt vor dem Wettkampf und vor den Gegnern sollte also in jedem Fall vorhanden sein!

Konzentrationsfähigkeit, autogenes Training: Sich während des Schießens nicht von Gesprächen ablenken lassen will gelernt sein. Ebenso darf man sich nicht von äußeren Umständen ablenken lassen. Während des Schießens konzentriert man sich nur auf sich, auf seinen Bewegungsablauf, auf den Schuss. Alles, was um einen herum passiert, ist egal. Zugegebenermaßen schaffen dies die wenigsten. Ist man einmal abgelenkt, helfen kurze Entspannungsübungen. Diese finden sich unter dem Stichwort "autogenes Training". Einen kurzen Einblick in die Techniken und Übungen bietet Wikipedia.

Motivation: Man treibt Sport, da man es gern macht. Macht Sport bzw. eine Sportart auf Dauer keinen Spaß mehr, so sollte man Abstand nehmen, da es immer schwerer wird, sich zu motivieren. Allerdings gibt es auch Situationen, in denen man unmotiviert ist, obwohl man Spaß am Sport hat. In solch einer Situation sollte man sich auf seine Ziele besinnen. Diese Ziele können sein, einen Wettkampf bestmöglich abzuschließen oder im Training ein besseres Ergebnis zu erreichen als bei der letzten Trainingseinheit. Deshalb sollten immer erreichbare (!) Ziele gesetzt werden, die einem helfen, sich in schwierigen Situationen zu motivieren. Eine denkbar ungünstige Zielsetzung besteht darin, einen Wettkampf als erster abschließen zu wollen. Peilt man das obere Drittel der Rangliste an, hilft dies der Motivation eher. Klappt es nicht, ist man aber für den nächsten Wettkampf umso mehr motiviert, zu zeigen, was man kann.

Visualisierung: In Bezug auf den Schießsport bedeutet Visualisierung das exakte gedankliche Durchspielen des nächsten Schusses. Dies beginnt mit der Entspannungsphase vor dem Schuss geht über das Anhalten, das Atmen, das Zielen, die Schussauslösung, das Nachhalten und endet schließlich beim Absetzen der Waffe. Die Visualisierung dient dazu, Faktoren, die den Schuss beeinflussen könnten, auszuschließen, da man zuvor einen Ablaufplan in Gedanken erstellt und durchlaufen hat. Sollte es während des eigentlichen Bewegungsablaufes vor dem Schuss zu Unstimmigkeiten mit dem zuvor erstellten Plan kommen (bspw. durch krampfhaftes Wackeln, falsches Atmen oder zu langem Zielen), so ist die Waffe abzusetzen. Es folgt eine kurze Entspannung und die Visualisierung des nächsten Schusses.



 

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